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Startrompeter Till Brönner
 

Kultur in der Krise:
 

28. Oktober 2020

Till Brönner begeistert Stars mit Wutrede-Video

Der Jazzmusiker Till Brönner wird auch mit seinem erfolgreichen Album „The Good Life“ nicht müde. Jetzt geht auf Konfrontationskurs: In einem Video kritisiert er die derzeit mangelnde Unterstützung für die Veranstaltungs- und Musikbranche - und erntet dafür viel Applaus von Kollegen.

Trompeter Till Brönner (49) hat sich seinen Frust von der Seele geredet: Der Jazzmusiker hat noch vor dem Beschluss eines erneuten Lockdowns am Mittwochabend in einem sechsminütigen Clip, die schlimme Situation der Veranstaltungs- und Kulturbranche zusammengefasst.
 

"Ich habe mich nach langer Zeit dazu entschlossen mich zur derzeitigen Corona-Situation meiner Branche zu Wort zu melden. Ich bin ehrlich und rechne nicht aus allen Ecken mit Applaus", schreibt er zu seinen Postings.

"Ich bin ziemlich sauer. Seit Monaten sehe ich mir nicht nur an, wie eine gesamte Branche lahmgelegt wird, sondern erlebe auch, wie auffällig verhalten und geradezu übervorsichtig Bühnenkünstler sich auch nach acht Monaten zu dieser Misere äußern, obwohl ihre Existenz auf dem Spiel steht", beginnt Brönner sein Video.

Die Zurückhaltung aus den eigenen Reihen sei fatal, so der Musiker. Es gehe nicht um Selbstverwirklicher, die in ihrer Eitelkeit gekränkt seien, sondern "um Geld, viel Geld." 1,5 Millionen Menschen seien in der Kultur- und Veranstaltungsbranche tätig.
 

Es sei skandalös, welchem "unwirklichen Schauspiel wir gerade beiwohnen müssen. Dass die Wirtschaft reflexartig in systemrelevante und -irrelevante Berufe unterteilt wurde, sah ich erst als eine Vorsichtsmaßnahme an. Dann kam der Sommer..." Viele Menschen aus seinem Umfeld, Tontechniker, Beleuchter oder Clubbesitzer hätten ihm von ihren Existenzproblemen erzählt, deren Broterwerb von heute auf morgen abgeschalten wurde.
 

"Wir alle wollen uns vor diesem verdammten Virus schützen, aber wenn ein gesamter Berufszweig per Gesetz gezwungen wird, seine Arbeit zum Schutze der Allgemeinheit ruhen zu lassen, dann muss doch die Allgemeinheit dafür sorgen, dass die Menschen nach Corona noch da sind", sagte der Musiker. "Das ist kein Luxusproblem, das ist ein Kernproblem." Man könne nicht Konzernen Milliarden "in den Vorgarten werfen", Kulturleute mit Hartz IV abspeisen und sich gleichzeitig immer wieder als "Land der Dichter und Denker" bezeichnen. Gefordert seien nun das Wirtschafts-, Arbeits- und Finanzministerium, für die geeignete Hilfe zu sorgen, sagt Brönner.
 

Auf Facebook wurde das Video bereits über 50.000 Mal geteilt, auf Instagram wurde es über eine Million Mal aufgerufen. Zahlreiche Musikerkollegen haben Brönner zu seinem Video gratuliert und ihn für seinen klaren Appell gelobt.

_Kultur in der Krise

Edition I. 2020